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Josef „Muff“ Sopper: Der Mr. (Planet) Music

Er bringt die großen Stars genauso wie die Nachwuchsbands in seinen Musikklub, der 2008 in die Wiener Gasometer übersiedelt. Er veranstaltet die renommiertesten Bandwettbewerbe des Landes. Und der „Mr. Rockhaus“ und nunmehrige „Mr. Planet Music“ bringt jährlich die Stars auf „seine“ beiden Bühnen auf der Insel.

Josef Sopper, von Freunden und Kollegen im Music-Biz ausschließlich „der Muff“ genannt, ist ein Beinahe-Urgestein auf der Insel. Bereits beim zweiten Mal, 1984, war er mit von der Partie. Nachdem die „Nullnummer“ von Harry Kopietz’ „kulturellem Frühlingsfest“ auf der, sich im Bau befindlichen Donauinsel überraschend gut gelaufen war und alle Erwartungen übertroffen hatte, reizte man die Möglichkeiten weiter aus. Denn eines Tages kamen „der Muff und der Meia“ mit einer außergewöhnlichen Bitte zu Kopietz, die der Anfang einer langjährigen Zusammenarbeit und Freundschaft wurde.

„Das erste Mal war so eine Art Pilot-Geschichte. Der Meia Pepperl war ein Musiker-Kollege und Gitarrist, der mit ,Bioton’ seine eigene Vereinigung von Bands hatte. Ich stand der Musikervereinigung TONAU vor.“, erinnert sich der Vater dreier Söhne an die Anfänge, „Wir sind zum Harry Kopietz, den wir beide damals nicht gekannt hatten, marschiert und haben vorgeschlagen, dass wir gerne eine Rock-Bühne machen würden. Mit österreichischen Bands. Der Harry hat uns am Steinsporn-Gelände eine Bühne zugewiesen, also ziemlich abseits vom Schuss. Dieses Fest ist vier Tage lang gegangen. Zwei Tage lang gab es Rock, das haben wir organisiert, und zwei Tage lang war es die Country-Bühne. Frag mich aber nicht, wer dort aller gespielt hat. Ich hab’ gespielt, der Meia Pepperl hat gespielt, Bobby Hammer und die Wiener Underground Rockszene. Es war erfolgreich, die Stimmung war gut.“ Nachdem das erste Rock-Jahr beim zweiten Donauinselfest so schön geklappt hatte, stellten sich erste Fans ein, die den nächsten Stein ins Rollen brachte. Sopper über den unerwarteten Anschub: „Die Technikfirma Multisound hat geschwärmt, wie gut unsere Organisation war. Daraufhin hat mich Harry gefragt, ob ich das wieder machen will, und mir jenen Platz zugewiesen, den wir heuer noch immer haben, nämlich die Arena nördliche der Floridsdorfer Brücke. Dort betreiben wir seit dem dritten Jahr die Rockbühne. Das hat sich dann weiter entwickelt und im Laufe der Zeit haben wir auch internationale Acts dazu genommen.“

Das Donauinselfest als Orakel: Lange Zeit war Muff für sein Rockhaus auf Herbergssuche, einer Spielstätte und einem Begegnungsraum für die „härteren“ Töne, das vor allem eine Spielwiese für den heimischen Rock-Nachwuchs sein sollte. Die Rock-Bühne beim DIF gab es bereits. Der Wettergott sollte im Jahr 1988, als das Festival noch im Mai stattfand, Fortuna spielen. „Es hat geschneit und gestürmt. Ein Tag wurde abgesagt, mit Ausnahme des Programms der Rockbühne. Ich hab’ Harry gefragt, ob wir unsere Konzerte nicht ins damalige ,Fritz’ verlegen könnten, das später das Rockhaus, und noch später das Planet Music wurde. Der Club lag im 20. Bezirk direkt an der Floridsdorfer Brücke. In einer Nacht- und Nebel-Aktion haben wir das Haus übernommen“, erinnert sich der Musikmanager. Das Haus war bis zum letzten Platz voll, die Fans standen bis weit auf die Adalbert Stifter Straße, sogar der nationale Pop-Sender Ö3 berichtete. Am Telefon meldete sich Soppers Crew mit: „Hallo, hier Rockhaus!“ Ein Wink des Schicksals: Neun Monate später konnten Muff und seine Mannen den Club übernehmen. Der Rest ist ein Teil österreichischer Musik- und Erfolgsgeschichte.

Die Ausweitung des Rock-Engagements beim Donauinselfest lag – für alle – auf der Hand. „Ich hab’ dann eine zweite Bühne begründet, denn aufgrund der Vielzahl der Bands, die wir betreuen, und der Vielzahl an Projekten, die wir machen, hatten wir nicht genug Raum und, genug Zeit gehabt, um alle auftreten zu lassen. Also haben wir oben, auf dem Hügel zwischen dem Parkplatz und unserer Naturarena, eine zweite Bühne errichtet“, schildert er die ersten Gehversuche mit zwei Spielstätten, „Am Beginn war das eigentlich nur ein Podest ohne Dach, da haben wir den Insel-Bandwettbewerb ,Rock Rodeo’ veranstaltet. Die Sieger bekamen Preise, das war eines unserer ersten Bandwettbewerb-Konzepte. Seit sechs Jahren arbeiten wir mit FM4 zusammen. Und auf der oberen Bühne habe ich Content, der nicht FM4-affin ist, also Bands wie Drahdiwaberl, Blues, Rock, Metal und Metalcore, alles, was bei FM4 nicht vorkommt.“

Wer Muff Sopper kennt weiß, dass es ihm Randgruppen besonders angetan haben. Er füllt jene Räume, die der Mainstream ignorant überfährt. „Meine Aufgabe beim DIF ist es, alle Alternativ-Nischen abzudecken, die nicht von den Kommerzbühnen abgedeckt werden. Und den Begriff ,Kommerzbühnen’ meine ich nicht abwertend. Ich mach halt alles, was nicht Mainstream ist, das ist mein Job. Unsere Insel wird von mehr als 400.000 Menschen an drei Tagen frequentiert. 2007 waren wir am Samstag so voll, dass man sich kaum noch bewegen konnte. Auch der Sonntag war durch die neue Programmierung in Richtung Ethno und Ska so gut besucht wie noch nie zuvor!“

Im Laufe der vielen Inseljahre konnte Könner Sopper viele Erfolge verbuchen: „Wir hatten internationale Highlights von den Toten Hosen bis zu den Fantastischen Vier, Fettes Brot, Gentleman, im Rock-Bereich Lynyrd Skynyrd. Wir bewegen Massen, so, dass die Brücke gesperrt werden musste, damit alle zu uns kommen können!“

Muff Sopper ist ein Hans Dampf in allen Gassen – das ist seine wichtigste Aufgabe bei der umfangreichen Leistungsschau seines Musik-Imperiums. „Einerseits bin ich im Repräsentationsbereich tätig, weil wir die VIP-Bereiche unserer zwei Bühnen für Freunde, Partner, Geschäftskunden, Inserenten, Sponsoren, Medien und Musikerkollegen offen halten und alle einladen, uns zu besuchen“, umreißt er seine diversen Jobs auf der Insel, „ da sieht man uns bei unserer größten Arbeit. Jetzt haben wir sogar eine Galerie auf einem Turm bei der FM4-Insel gebaut. Alle Menschen die ich dort rauf führe sind beeindruckt. Und die sind ja vielleicht die Sponsoren vom nächsten Jahr!“

Die angenehme Repräsentationsarbeit kippt schon einmal ins Gegenteil. Gerade im „Sturmjahr“ 2007 mussten sich auch Sopper und sein Team besonders ins Zeug legen. „Am Aufbautag kam ich zu spät, da waren die Zelte schon weggeweht. Auf der Floridsdorfer Brücke gab es so arge Böen, dass ich gedacht habe, mich bläst es samt meinem Auto in die Donau. Und ich habe zugeschaut, wie Textilteile der Bühne, die Party- und Backstagezelte wegflogen. Als ich dann vor Ort war, war der Sturm vorbei. Die Reparaturen waren Zeit- und Kostenintensiv.“

Damit war das turbulente Fest aber noch nicht vorbei. „Als es am Freitag zu stürmen und zu hageln begann, war ich darauf vorbereitet. Im Viertelstundentakt bekam ich Meldungen über die Front, die nach Wien zieht. Das hat sich alle paar Minuten geändert. Wir haben dann Sachen abgebaut, und Windangriffsflächen vermindert. Da ist kein Schaden mehr passiert.“, erinnert er sich noch immer mit Schrecken, „Als alles vorbei war, hat die obere Bühne, die gegen die Windrichtung steht, nach zehn Minuten weitergespielt. Auf einmal waren wieder Leute da, so schnell hast gar nicht schauen können. Bei der unteren Bühne hat es ein Bisserl länger gebraucht, da ist das Wasser und der Hagel direkt hinein geweht. Die Schweinwerfer haben wir trocken geföhnt, und eine halbe Stunde später ist es auch dort weiter gegangen.“

Es kommt schon vor, dass der Manager seine Künstler bremsen muss, denn sonst wird die „Sperrstunde“ der Bühnen überschritten. „Am Samstag waren Drahdiwaberl am Schluss dran. Wenn ich nicht auf die Uhr schau’, spielen die heute noch“, ächzt Sopper, „Ich bin oben auf der Bühne geblieben und hab dem Kapellmeister Thomas Rabitsch signalisiert, wann er mit der letzten Zugabe anfangen soll. Sonst wären wir bis eins in der Nacht nicht fertig geworden. Ich hab’ der Band dann zwei Zugaben gestrichen, und zwei Minuten nach eins waren wir pünktlich fertig.“

Wenn man erst mitten in der Nacht sein Programm beendet, ist der kommende (Festival-) Morgen auch nicht mehr fern. Aber – anders als in den frühen Tagen des Mega-Spektakels – campiert der Wiener Musik-Mogul nicht mehr auf der Insel. „In früheren Zeiten haben wir unten geschlafen, das lag auch am Party-Charakter“, lässt Muff Erinnerungen an „wilde Zeiten“ aufleben, „meine Crew schläft teilweise heute noch unten, just for fun. Ich bin jetzt 49 Jahre alt, und während dieses Festivals braucht man schon ein paar Stunden im Bett, damit man wieder frisch ist. Ich hab während des Festivals vier, fünf Stunden gehabt im Schnitt, also nicht wirklich viel.“

Obwohl er bereits bei der offiziellen Geburtsstunde mit dabei war, ist Sopper nach wie vor ein glühender Fan der Idee: „Meine Hochachtung vor dem Mut der Leute, so ein Riesending aufzuziehen, obwohl sie damals ja gar nicht ahnen konnten, was das für ein Riesending wird. Wenn man das Gelände von oben bis unten abgeht, ist das ein mächtiger Anblick. Es ist ja die zweitgrößte Veranstaltung der Welt, mit einer Menge an Besuchern pro Tag. Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich und bewundernswert, wie das funktioniert. Und ich bin jedes Mal froh, wenn nichts passiert.“ Die positiven Rückmeldungen bleiben da nicht aus, sogar Künstler melden sich nach erfolgreichen Insel-Gigs. „Das Schönste ist, dass alle Künstler, die hier her kommen, das sehen und spielen, vom DIF schwärmen und unseren Ruf in die ganze Welt tragen, was für ein tolles Festival das ist“, weiß Muff zu berichten, „dem haben wir zu verdanken, dass wir immer wieder attraktive Künstler haben die sich selbst anbieten. Die Band Tomte war da und die Jungs haben sofort nach dem Fest angerufen, dass sie wieder spielen wollen. Sogar vom Management von Gentleman bekam ich gutes Feedback. Dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat!“

Nicht nur deshalb ist Muff Sopper jedes Jahr im Juni wieder gerne auf der Insel. „Ich bin auch stolz, dabei sein zu dürfen und bedanke mich jedes Mal nach dem Fest und freue mich, wenn die Organisationsleitung zufrieden ist“, outet er sich als bekennender Insulaner, „für uns ist es eine Möglichkeit zu zeigen, was wir alles können. Zudem sprechen wir ein riesiges Publikum an. Und es ist eine wunderschöne Geschichte, wenn wieder ein schönes Festival gelungen ist.“ Erstaunlich: Trotz des enormen Arbeitsaufwands ist er immer wieder gerne dabei, und würde das Donauinselfest am liebsten verlängern! „2006 war ich eigentlich traurig, dass es am Sonntag schon vorbei war. Es hätte ruhig noch ein, zwei Tage länger dauern können. Ich mach’ das DIF noch immer gerne und bin gerne persönlich vor Ort. Wenn alles läuft, bin ich auch dort, um Spaß zu haben!“, unterstreicht er.

Und kaum sind die letzten Töne eines Festivals verklungen, steht das nächste vor der Tür. Auch wenn es noch ein ganzes Jahr dauert, bis der Rummel auf der Insel wieder losgeht. Wie bei allen übrigen Bühnen auch ist der Job eines Managers beim Donauinselfest eine Dauerbeschäftigung: „Wir hatten eine Woche nach dem Fest unser erstes Analysegespräch, und auf der anderen Seite haben wir schon die Weichen für die Programmierung für das 25. DIF gestellt, eingeteilt, wer sich um was kümmert. Ich möchte bis Dezember mein Programm fertig haben. Natürlich wollen wir das Jubiläumsfest so attraktiv wie möglich gestalten!“ Aber auch der Rock-Guru muss sich nach der Decke strecken und wünscht sich lachend „...das doppelte Budget! Wir besorgen ja selbst Sponsoren und decken einen Großteil der Kosten damit ab, sodass wir ein attraktives Programm bieten können.“ Und er setzt nach: „Ich habe den Wunsch, ein tolles Programm für das Jubiläumsfest zusammen zu stellen und es finanzieren zu können. Ich denke da an Bands, die schon einmal da waren, vielleicht an die eine oder andere Reunion, eine Art ,Best Of...’, ein ,All Star“-Programm’.“