
Inselfest Urgestein Peter Rapp feiert!
Es fällt schwer, angesichts der gewaltigen, beeindruckenden Dimensionen des Donauinselfests, unterstreichende Attribute nicht zu sehr zu beanspruchen. Doch bei Peter Rapp muss es sein, denn der ORF-Mann der ganz frühen Stunden feiert heuer sein 45jähriges Bildschirm-Jubiläum! Und wie am ersten Tag ist Rapp mit Herz bei der Sache, verliert, als Vollprofi, den kaum etwas aus der Ruhe bringen kann, nie den Job aus den Augen. Auch dann nicht, wenn er unmittelbar vor einer Moderation noch von Autogrammjägern belagert wird. Peter Rapp ist eine Legende, die in Österreich vermutlich mit dem Bekanntheitsgrad des Bundespräsidenten mithalten kann.
Im Alter von 64 Jahren begleitete er bereits zum 22. oder 23. Mal das Publikum vor der großen Festbühne durch die drei Festivaltage. „Ich glaub’, im ersten Jahr war ich nicht dabei, aber dann immer, wenn mich nicht alles täuscht. Irgendwann war einmal kurz eine Unterbrechung. Da haben Kollegen von Ö3 gemeint, sie können das auch. Und seitdem bin ich dort, auf der Donauinsel, regelmäßig engagiert.“ – diesen kleinen Seitenhieb kann sich Rapp nicht verkneifen. Denn der Vollprofi und Mr. Sympathico schlechthin kennt alle Facetten des Lebens vor der Kamera, dem Mikrofon und dem Live-Publikum. Eine Art Erfolgsgeheimnis kennt er allerdings nicht. „Ich weiß nicht… Ich hab sehr gute Nerven und es gelingt mir meistens, nicht zu provozieren. Das ist nämlich wichtig“, analysiert der Könner sein eigenes Ausnahmetalent, „es ist eine angewandte Massenpsychologie und ich bin immer dankbar, wenn die Leute annehmen, was ich ihnen sage. Wenn man auf die Bühne geht, besteht bei Radiosprechern die Gefahr, dass sie zu einer Selbstdarstellung übergehen und glauben, sie müssen laut sein und martialisch. Dann erzeugt das Provokationen, dann werden die Leut’ nervös und aggressiv.“
Gelernt ist gelernt – das gilt, so Maestro Rapp, vor allem beim Job als Moderator. „Ich habe in ganz Österreich öffentliche Auftritte gemacht und das was ich heute kann, habe ich bei Tausenden von Tingeleien gelernt. Ich hab’ mich vom Publikum und der Kritik zurecht prügeln lassen. Ich hab auch immer drauf geachtet, ob und wo sie recht hatten und wo nicht. Das ist ein Hinterland, das den neuen Moderatoren heute fehlt. Deswegen fürchte ich immer, wenn man vom Radio oder von MTV direkt in die große Show ’rüber geht, dass das dann kurze Blitzkarrieren sind. Eine Zeit lang ist man ganz groß im G’schäft und dann, Mitte, Ende 20, sitzt man zu Hause und sagt sich: ,Das kann doch nicht alles gewesen sein.’“ Der ehemalige Sängerknabe plaudert weiter gelassen aus der Schule: „Es ist ein Gewerbe, das man von der Pike auf lernen sollte. Und ich denke, dass die Moderatoren gut beraten sind, wenn sie jede Gelegenheit ausnützen, um vor Publikum zu arbeiten. Zu spüren, wie die Leut’ reagieren und was die Leute denken. Ob sie lachen oder nicht lachen, ob sie freundlich schauen, ob sie nicht freundlich schauen. Das ist alles wichtig. Das sollte man alles drauf haben, bevor man die Kamera vor sich hat.“
Wie beinahe alles, was die große Festbühne betrifft, hatten auch bei Rapps Engagement Mastermind Harry Kopietz und Manager Karl Scheibmaier die Fäden in der Hand. „Der Karl hat mich im Auftrag vom Harry Kopietz angerufen. Das sind zwei Freunde“, erinnert sich der Starmoderator, und skizziert den Ablauf: „Mit dem Scheibmaier habe ich eine wirklich erfreuliche, intensive Partnerschaft auf dieser Hauptbühne. Ich frag’ ihn was er will, und setze das um. Er fragt mich auch um meine Meinung und verlässt sich 100%ig auf mich. Beim Harry Kopietz ist das genau das selbe. Dort bin ich gut aufgehoben und werde gut behandelt.“
Natürlich weiß kaum einer besser als Peter Rapp, was bei den Fans angekommen ist und was nicht. Trotzdem möchte er keinen Künstler aus der Masse der Acts aus mehr als zwanzig Jahren hervorheben. „Ich würde nichts herausheben. Das ist für mich genauso, wenn man mich fragen würde, welches meiner drei Kinder ich am Liebsten hab. Das lässt sich nicht sagen. Es war immer das aktuelle.“ Klar, es gab Highlights, die der Mann mit der ruhigen Stimme auf der Bühne genauso genossen hat, wie die jubelnde Masse. „Jedes DIF ist ein absoluter Wahnsinn“, ist Rapp ein bekennender Fan des Events, „Ich habe es genossen, als der Udo Jürgens mit großem Streichorchester da oben gewesen ist. Ich habe genauso Gruppen genossen, die genial ’rüber gekommen sind. Ich halte es für ein Privileg, dass ich da oben stehe, wenn einer der ganz großen Stars sein Programm verkauft. Wenn man sieht, wenn Hunderttausend oder mehr vor der Bühne mit dem Konzert mitgehen.“
Und natürlich verfügt kaum jemand über mehr Erfahrung um zu beurteilen, was das ganz Besondere am jährlichen Treiben auf der Insel ist. „Es hat eine ganz bestimmte Faszination wenn das Wetter stimmt. Dass die Menschen wirklich von überall zusammenkommen, ist ein Hauch von Woodstock. Dort sind Ehen geschlossen worden, dort sind vermutlich Kinder gezeugt worden, dort passiert einfach alles“, resümiert er, „Das DIF ist so ein Highlight, wo selbst meine Kinder sagen: Du, dort möchte ich dabei sein, dort möchte ich hinkommen. Da kommen sie backstage mit. Es hat eine enorme Eigendynamik, auf die ich sehr steh’…“ Gerade deshalb sieht Rapp kein Ablaufdatum seines Engagements: „Solange ich ohne fremde Hilfe rauf komm’ auf die Bühne, und solange mich die Veranstalter haben wollen. Gott sei dank haben sie mich schon wieder angefragt. So lange die wollen, will ich es auch machen. Ich bin mittlerweile 63 und steh 44 Jahre vor der Kamera…“ Udo Jürgens, selbst oft Gast beim Inselfest und langjähriger Freund von Rapp bewies, dass „mit 66 noch lange nicht Schluss ist“. Und für Rapp? Wird er beim 50. Happening auf der Donauinsel noch mit dabei sein? „Ich sag ja: Wenn ich ohne fremde Hilfe rauf komm… noch einmal 25 Jahre, da wär’ ich dann 88. Ich glaub, das pack ich… ein lohnendes Ziel!“, nickt der weise Mann der Unterhaltung.