
Ein Mann, ein Fest – Harry „Mr. Donauinsel“ Kopietz
Der zündende Gedanke ist beinahe 25 Jahre alt, und noch nie hat der Erfinder des Wiener Donauinselfests die vermutlich größte Idee seines Lebens bereut. „Nie. Noch nie, wirklich nicht. Das Gefühl ist noch nie aufgekommen!“ Zum 25. Fest kann Harry Kopietz ebenfalls feiern: Im DIF-Jubiläumsjahr wird der Professor stolze 60 Jahre alt!
Gerade noch war das Entlastungsgerinne die größte Baustelle Österreichs – und schon ist wieder ein Vierteljahrhundert vergangen! Und schon beginnen sich erste Legenden um das neue Meer der Wiener zu ranken. Fokus vieler G’schichten und Anekdoten ist natürlich die größte Party Europas, die jedes Jahr im Juni auf der Insel stattfindet. Der vergrabene Schatz, der sich als Werbegag entpuppte, oder die riskante Überquerung der Neuen Donau in einem Müllcontainer durch einen Festivalbesucher – nicht jede Legende ist wahr.
In jeder Legende aber steckt ein Körnchen Wahrheit. So verhält es sich mit jener über die Initialzündung zum Donauinselfest: „Entstanden ist der Gedanke, als ich alleine über den damals noch halbfertigen Teil der Donauinsel gegangen bin. Aus Interesse um zu sehen, was schon alles passiert ist, wie es dort ausschaut. Ich war schlechthin begeistert. Da entstand der Gedanke: Wir sollten eigentlich ein Fest machen! Ich hab in den Jahren davor viele Feste auf der Loretto-Wiese in Floridsdorf organisiert, die waren aber klein und überschaubar. Im Grunde war das erste Donauinselfest 1983 eine Weiterführung der Aktivitäten in Floridsdorf.“ Ein Mann, ein Fest. 15.000 Menschen erwartete Kopietz bei seinem Insel-Debüt im Jahr 1983, das damals noch nicht einmal Donauinselfest hieß. Kein Strom, kein Wasser, keine WCs, eine improvisierte Bühne, kaum Infrastruktur. Klar, dass der damalige Chef des Wiener Volksbildungswerks überwältigt war, als mehr als 160.000 Wienerinnen und Wiener das neue Mammutbauwerk in Transdanubien feierten! Die logische Folge für den flammenden Sozialdemokraten: Es soll in jedem Jahr ein Donauinselfest geben! Zum Sommerbeginn sollen sich Kulturschaffende und ihr Publikum auf der neuen Insel zwischen der Donau und dem 21. Wiener Gemeindebezirk treffen. Bei freiem Eintritt – das war einer der Eckpfeiler der Grundidee.
Der Bau der Wiener Donauinsel und vor allem des Entlastungsgerinnes, das Wien jedes Jahr vor zerstörerischen Hochwassern schützt, war eine Idee der SPÖ. Klar, dass das Donauinselfest ebenfalls fest in sozialdemokratischer Hand blieb. Doch Politslogans aus Lautsprecherwagen, eine Bombardierung mit Flugblättern oder Reden schwingende Politiker sucht man bei der Veranstaltung vergebens. Dass das Donauinselfest eine Parteiveranstaltung der Wiener SPÖ ist, wissen die Besucher. Das unterstreicht Kopietz. „Untersuchungen zeigen, dass ein hoher Prozentsatz aller wissen, dass es die SPÖ veranstaltet.“, hat „Mr. Donauinselfest“ die Erfolgszahlen jederzeit im kleinen Finger, und legt seine Philosophie klar: „Ja, es ist eine Veranstaltung der Wiener SPÖ, es ist aber keine Parteiveranstaltung im üblichen Sinne, so, wie sich das mancher vorstellt. Keine Holzhammermethode und kein Politmarathon. Dort hält man sich gerne auf, man vergnügt sich und wird nicht dauernd angelabert. Natürlich passiert auch viel Information am Donauinselfest, wir haben unsere Botschaften auf Plakaten, auf Transparenten und anderen Werbemitteln. Es kommt aber nicht mit der Holzhammermethode daher, das ist Teil der Philosophie dieses Festes. Es soll etwas für jeden dabei sein, selbstverständlich auch für die Nichtwähler der SPÖ. Wienerinnen und Wiener, Gäste aus den Bundesländern und dem Ausland sollen das Donauinselfest und die Stadt Wien genießen. Wenn Wien genossen wird und als Stadt positiv besetzt ist, hilft das der Politik in Wien. Und Politik in Wien ist vor allem Politik der SPÖ – da schließt sich der Kreis wieder!“
Begonnen hatte die Laufbahn von Harry Kopietz bei der Eisenbahn. Gleich der zweite Karriereschritt – der Wechsel zur Wiener Berufsfeuerwehr im April 1970 – blieb bis heute seine berufliche Heimat. Trotz seiner heutigen Ämter als Wiener Landtagsabgeordneter und Landesparteisekretär der SPÖ ist er zwar in Karenz aber noch immer im Dienst. „Ich bin einer der ältesten, amtierenden Berufsfeuerwehrmänner Wiens“, unterstreicht er voller Stolz. Die Uniform, umrahmt von einigen Feuerwehr-Devotionalien, hängt daheim. 14 Jahre lang hat sich der Vollblutpolitiker persönlich um das Donauinselfest gekümmert, je größer das Fest wurde, desto wichtiger wurde auch das Team, das jedes Jahr aufs Neue die Massen zu begeistern weiß. Im Laufe der Zeit konnte Kopietz vieles delegieren. „Natürlich habe ich sehr viele Verantwortlichkeiten und Aufgaben, die ich seit Jahren nicht mehr Inne habe, am Anfang entwickelt und selbst gemacht. Seit elf Jahren bin ich nun Landesparteisekretär, da gibt es für mich eine andere Aufgabenfülle. Es war also nötig, eine andere Organisationsaufteilung zu machen“, erinnert sich Kopietz. „Anita Hager war viele Jahre lang mit dabei, jetzt ist Sascha Kostelecky zum dritten Mal an der Spitze. Er macht seine Sache ausgezeichnet! Ich bin sehr froh und stolz, den Sascha entdeckt zu haben und ihm diese Verantwortung aufgebürdet zu haben. Er ist der richtige Mann am richtigen Ort für das richtige Fest! Ich kann mir niemand anderen, vor allem niemand besseren dafür vorstellen.“ Trotzdem könnte sich Harry Kopietz selbst der Faszination Donauinselfest niemals entziehen, zudem hat er auch als „Senior Manager“ wichtige Funktionen: „Meine jetzige Aufgabe ist die Gesamtverantwortung zu tragen, das hängt mit der Funktion als Landesparteisekretär zusammen. Es ist eine Veranstaltung der SPÖ Wien, und da bin ich der Verantwortliche. Darüber hinaus habe ich nach wie vor eine sehr tiefe Bindung zum Donauinselfest und bin Ansprechpartner für alle Agierenden, zur Klärung von Fragen, zum Beseitigen von Schwierigkeiten. Ich schau’, dass die Finanzierung funktioniert. Ich bin intensiv dabei, ich bin über alles informiert, und ich freue mich darüber, dass ich immer weniger Entscheidungen treffen muss. Und wenn ich entscheide, dann betrifft das Gebiete, in denen ausschließlich ich entscheiden kann.“
Es gibt eine Anekdote, die von Anita Hager, die einige Jahre an der Spitze der Festivalorganisation mitarbeitete, erzählt wurde. Damals seien sich viele auf der Insel ganz wichtig vorgekommen und sie hätte sich beschwert, „dass jeder auf der Insel ein Häuptling ist“. Was tat Kopietz? Er ließ den „Wichtigen“ ihre Federn und verkündete leger: „Und ich bin Manitu!“ Noch heute ist das keine Phrase. Auch für Donauinselfestmanager Sascha Kostelecky hat das letzte Wort „immer der Harry“. „Das ist zweifellos richtig“, lacht der Familienvater auf, und schwächt wieder ab, „es wird aber nicht oft angewandt. Wir sind uns in vielen wichtigen Fragen erstaunlicher Weise von Haus aus einig. Ich lerne sehr viel vom Sascha. Durch ihn ist mir der Zugang zum inhaltlichen und technischen Fortschritt nicht verloren gegangen. Es ist eine gute Symbiose.“
Oberhäuptling Kopietz hat allerdings noch immer ständig mit dem Thema Inselfest zu tun. „In Wirklichkeit geht es das ganze Jahr über“, skizziert der Parteisekretär, „natürlich arbeitet auch der Sascha Kostelecky rund um die Uhr. Die Informationen laufen permanent über moderne Kommunikationsmittel, aber auch persönlich diskutieren oder sprechen wir ein Mal pro Woche über das Donauinselfest. Natürlich lege ich besonderes Augenmerk auf die Sicherheitsfragen, das liegt durch mein Berufsbild in der Natur der Sache. Zudem setze ich immer wieder Akzente, was die Sicherheitspolitik in dieser Stadt angeht. Das Inselfest ist eine spannende Geschichte, die mich das ganze Jahr über begleitet.“ Ganz am Beginn schlug Kopietz selbst während der drei Tage seine Zelte auf der Insel auf. Seit einigen Jahren lässt er es aber ruhiger angehen. „Als ich die Spitze dieser Organisation war, habe ich vor Ort gearbeitet. Da war das Schlafpensum drei, vier Stunden“, erinnert er sich an die Anfangstage, „das hat sich jetzt auf mein normales Schlafpensum von sechs Stunden erhöht.“ Zudem ist Harry ein Viel- und Nachtarbeiter: Zu Bett geht es erst gegen Mitternacht, ab fünf Uhr früh sitzt der Politprofi wieder am Computer, um Wichtiges zu erledigen. „Im Büro jagt ein Termin den nächsten, die Telefone läuten dauernd, da ist weder Zeit noch Ruhe“, erklärt er.
Vollprofi Kopietz hatte auch keine schlaflosen Nächte, als der Sturm vor dem Fest-Wochenende 2007 über die Insel fegte und das Donauinselfest an den Rand der Absage brachte. Es war vor allem das hervorragende Team, das der bullige Sympathieträger in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, das das 24. Inselfest rettete! Alle zogen an einem Strang, um die Bühnen und die Insel selbst wieder „fit“ zu machen – es klappte. Natürlich ließ Harry „sein“ Fest niemals aus den Augen, denn: „Eines ist völlig klar, die Letztverantwortung gegenüber der Öffentlichkeit hat sicher der Harry Kopietz! Ob das auch im juristischen Sinne so klar ist oder nicht, ist nicht das Thema. Ich nehme diese Verantwortung für mich in Anspruch, ich nehme sie wahr und stehe vor und hinter meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich war nicht nur zufrieden, sondern erstaunt und unendlich glücklich, dass diese Nagelprobe der Organisation am Donnerstag, nachdem der Sturm gewütet hatte, so hervorragend funktionierte! Natürlich war der Harry Kopietz auf der Insel, ich hatte eigentlich nur Beobachterstatus. Es war gar nicht notwendig, einzugreifen, es hat funktioniert. Sascha Kostelecky und sein Team haben das ausgezeichnet bewältigt! Es hat gezeigt, dass das ganze Netzwerk, das ich aufgebaut habe, die Freundschaft untereinander, das Zusammenspiel zwischen den Einzelorganisationen und auch den Behördenvertretern nahtlos funktioniert und perfekt läuft. Es gibt keine Diskussionen, keinen Stress, es werden keine Nerven weggeschmissen. Ich konnte mich beruhigt zurück lehnen. Es war wunderbar zu sehen, wie Hunderte Mitarbeiter aus allen Bereichen die ganze Nacht angestrengt durchgearbeitet haben!“
Natürlich gehört eine Riesenportion Glück dazu, dass kein Mensch zu Schaden kam, als die Naturgewalten über dem Donautal wüteten. Umgestürzte Bäume, umgewehte Container, verblasene Zelte und beschädigte Bühnen – Nichts konnte das 24. Donauinselfest verhindern. „Der Sturm ist mit einem best case zu Ende gegangen“, resümiert Kopietz, „dass niemandem etwas passiert ist, ist toll! Die Wienerinnen und Wiener lassen sich durch so was auch gar nicht vom Feiern abhalten, die sind wetterfest! Als die letzten Tropfen gefallen waren, ist eine Schleuse aufgegangen. Aus der ist aber kein Wasser gekommen, sondern aus ihr haben sich Menschenmassen auf die Insel ergossen! Es gab 2007 Samstag und Sonntag sicher den größten Besucherandrang aller Zeiten!“
Und damit konnte sich Harry Kopietz wieder dem widmen, was er am Liebsten bei „seinem“ Fest tut: Durch die Menschenmassen zu spazieren, und sich über den Erfolg seines Babys freuen! Ganz privat ist der Spitzenpolitiker allerdings nie. „Wenn nicht irgendetwas passiert, ist mein Job repräsentieren und Spaß zu haben. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist das Verkaufen des Donauinselfests im positivsten Sinn. Nicht nur bei den Sponsoren, sondern in der Öffentlichkeit, bei den Besuchern und den Gästen mache ich gute Stimmung für das Fest. Ich bin quasi der Repräsentant und das macht unheimlichen Spaß! Ich liebe viele Menschen und bewege mich gerne abseits von Betreuern oder Begleitern ganz allein durch die Massen“, strahlt er, und freut sich, dass sein markantes Gesicht bei den feiernden Insulanern nicht unbekannt ist. „Ich freue mich unendlich, dass mich inzwischen ein hoher Prozentsatz der Besucher kennt, mich die Menschen ansprechen, applaudieren oder Danke sagen“, zeigt sich der „Mr. Donauinsel“ persönlich berührt von der Begeisterung des Publikums, „es werden auch Ideen und Kritik eingebracht. Ich bekomme permanent Feedback, das freut mich unendlich! Und das nicht nur von Mitarbeitern beim Donauinselfest, ob das Standler sind oder die Techniker, sondern von den Besuchern selbst! Dieses Feedback ist mir unheimlich wichtig!“ Oft sieht man Kopietz aber nicht alleine beim Lustwandeln auf der Insel. An seiner Seite ist immer wieder Wiens Bürgermeister, Dr. Michael Häupl, zu sehen. Ob beim Besuch im VIP-Zelt der SPÖ, beim Bad in der feiernden Menge oder bei der Taufe eines neuen Feuerwehrbootes. „Es ist eine meiner Aufgaben, den Wiener Bürgermeistern durch das Donauinselfest zu begleiten“, freut sich Kopietz über seine Gastgeberrolle, „ihm geht’s ähnlich wie mir, er ist gerne unter Menschen, führt gerne Gespräche. Und das dauert und dauert! Wir hatten heuer eine Bewegungsleistung von 400 Metern in drei Stunden, es war kein Weiterkommen! Das ist nicht negativ gemeint! Es war einfach toll, wie viele Menschen wir getroffen haben und wie viele Gespräche wir geführt haben. Da waren auf einmal drei Stunden um. Auch das ist das Donauinselfest, dass Politiker zu den Menschen hinaus gehen.“
Manchmal wird der Megaerfolg seines Donauinselfests Harry Kopietz selbst unheimlich. Wenn sich beinahe eine Million Menschen zur gleichen Zeit auf dem schmalen Streifen Land zwischen Donau und Neuer Donau drängen, runzelt der Professor h. c. die Stirn und überlegt eine Begrenzung der Besucherzahl: „Ich dachte selbst schon darüber nach, ob und wie man den Zugang zur Donauinsel kontrollieren kann. Das war bisher nicht nötig und wird in Zukunft auch nicht nötig sein! Wir haben 2007 die Frequenz ausgeschöpft, mehr Menschen werden gar nicht mehr kommen. Es waren alle da, denen so ein Fest Spaß macht, und die werden hoffentlich auch in den nächsten Jahren kommen! Dass eine wesentlich größere Anzahl an Besuchern noch dazu kommt, glaube ich gar nicht.“
Es sind die Besuchermassen, die das Donauinselfest jährlich zu einem riesigen wirtschaftlichen Erfolg werden lassen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro wurden bisher an den Festivaltagen, grob überschlagen, ausgegeben. Freilich war das Wirtschaftliche in den Anfangstagen kein Thema. „An diese Dinge habe ich überhaupt nicht gedacht, dass das jemals ein Wirtschaftsfaktor werden kann“, blickt Kopietz zurück, „nach einigen Veranstaltungen war aber klar, dass es einer ist. Für die Wirtschaftstreibenden beim Inselfest, für die Betriebe in der Stadt und für die Stadt Wien selbst. Wenn man sich die Zahlen und Fakten anschaut, dann gab es 2007 etwa 40 Millionen Euro an Umwegrentabilität. Na, das ist schon was! Da kann man schon sagen ,Danke, liebe SPÖ, danke, liebe Donauinselfestorganisatoren’. Da kommt schon viel Geld für die Arbeitnehmer, für die Unternehmer und für die Stadt zusammen!“
Gesellschaftspolitisch ist man ebenfalls auf der Überholspur. Während Medien über Jugendliche beim Komasaufen berichten, ist die Lage beim größten Fest des Landes entspannt. Nicht zuletzt deshalb, da es 2007 erstmals strenge Kontrollen gab. Es durften keine „harten“ Getränke auf die Insel mitgebracht werden, und das Verbot des Alkoholausschanks an Jugendliche wurde strikt überwacht. „Es sagen mir alle, vom U-Bahn Fahrer bis zum ASBÖ-Sanitäter, dass die Zahl der Alkoholisierten deutlich zurückgegangen ist“, bestätigt Kopietz den Trend, „Ich glaube, dass unsere Aktion mit dem Bestreben, in den Medien für Bewusstseinsbildung zu sorgen, schon im Vorfeld des Festivals gefruchtet hat. Wir haben auf den Screens der U-Bahnen darauf hingewiesen, dass es besser ist, das Donauinselfest bewusst zu erleben und nicht bewusstlos.“ Auch die Fakten sprechen für ein nüchternes Feiern an der Donau: Zulieferfirmen berichten, dass die Quantität an ausgeschenkten Alkoholika deutlich zurückgegangen ist. Die Übung ist gelungen, freut sich Trendsetter Kopietz: „Ich kann eine positive Bilanz ziehen und wir werden das in auch Zukunft ausbauen!“
Zumindest drei Monate hat Harry Kopietz – hochgerechnet – beruflich auf der Wiener Donauinsel mit „feiern“ verbracht. Die Tage, Wochen und Monate der Vorbereitungen sind gar nicht zählbar. Es ist ein Welterfolg „in progress“, den der Feuerwehrmann in Karenz im Jahr 1983 aus der Taufe gehoben hat. Und das Donauinselfest, längst ein Fixpunkt in der europäischen Festival-Oberliga, wächst und wächst. „Es ist der Beweis, dass man mit viel Engagement, viel ehrenamtlichem Engagement und wenig Geld in der Lage ist, ein derart großes Fest auf die Beine zu stellen und durchzuziehen. Das ist eine faszinierende Geschichte“, freut sich Harry über sein Gesamtkunstwerk, das ein grandioser Beweis für seine Fähigkeit ist, die richtigen Menschen zusammen zu führen. Kopietz war ein Networker, als es den Begriff noch gar nicht gab: „Diese hunderten Menschen sind eine großen Familie geworden, das Netzwerk ist toll! Es hilft nicht nur der Politik, und hier vor allem der SPÖ, sondern das geht über das Donauinselfest hinaus. Das stärkt uns, das stärkt die Organisation. Was mich besonderes freut, ist der permanente Kontakt zu Künstlern und Kulturtreibenden in dieser Stadt. Hier sind Freundschaften entstanden, neue Blickwinkel, neue Facetten, die es vorher nicht gab. Es ist eine permanente positive Auseinandersetzung mit den Themen, die für diesen Bereich der Gesellschaft besonders wichtig sind. Das Fest hat zweifellos dazu beigetragen, dass diese Stadt heute eine pulsierende, lebensbejahende Metropole Europas ist. In der die Bewohner sehr zufrieden sind, die boomende Tourismuszahlen vorweisen kann. Dazu hat sicher der Mosaikstein Donauinselfest auch beigetragen.“
25 Jahre Donauinselfest, das sind 25 Jahre Erfolg, die ihresgleichen suchen müssen! Für das Jubiläumsfest wünscht sich Kopietz wie jedes Jahr ein „friedliches Fest ohne besondere Ereignisse. Zweitens wünsche ich mir schönes Wetter, Donauinselfest-Wetter, nicht zu heiß und nicht zu kalt, keinen Sturm. Und ich denke, es wird uns gelingen, ein würdiges Programm zum 25. Jubiläum zusammen zu bringen. Es wird wieder zwei, vielleicht sogar drei Feuerwerke geben. Und ich wünsche mir viele, viele Besucher, die mit Freude kommen und mit noch mehr Freude im Herzen wieder nach Hause gehen.“ Und wenn wir in die Zukunft blicken, was soll denn im Jahre 2033 am vorletzten Juni-Wochenende auf der Wiener Donauinsel abgehen? „Ich gehe davon aus, dass ich das 50. Fest vielleicht noch erleben darf, da bin ich schon 84“, lächelt Harry Kopietz weise, „Naja, wie es aussehen soll, weiß ich nicht. Wie bisher wird es sich der Zeit entsprechend weiter entwickeln. Ich hoffe, dass auch beim 50. die Grundphilosophie noch trägt: Ein Fest für alle soll es sein, ohne Eintritt. Es soll ein möglichst breites Angebot an Gegenwartskunst und –kultur geben, damit jeder etwas findet. Da wäre ich schon zufrieden. Wenn dann noch ob und zu jemand zurückdenkt, dass es der Harry Kopietz war, der diese Veranstaltung entwickelt hat, ist es noch dazu eine Freude!"